Wärmenetze brauchen frühzeitig klare Erzeugungsperspektiven

Viele kommunale Wärmepläne lassen noch offen, aus welchen Quellen geplante Wärmenetze künftig versorgt werden sollen. Eine frühzeitige Einordnung möglicher Wärmequellen kann Orientierung schaffen und unrealistische Annahmen vermeiden.

Die kommunale Wärmeplanung nimmt Fahrt auf. Eine aktuelle Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und des Öko-Instituts von rund 380 Wärmeplänen, die etwa 940 Kommunen umfassen, zeigt: Wärmepumpen und Wärmenetze sollen künftig eine zentrale Rolle in der Wärmeversorgung spielen.

Bei den Wärmenetzen besteht allerdings noch eine wichtige Informationslücke. In mehr als der Hälfte der untersuchten Wärmepläne fehlen Angaben dazu, aus welchen Quellen die Wärme für die vorgesehenen Netze künftig erzeugt werden könnte.

Damit bleibt vielerorts zunächst offen, auf welcher Erzeugungsbasis geplante Wärmenetze tatsächlich aufgebaut werden sollen. Für Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer ist diese Frage relevant, wenn sie auf Grundlage der kommunalen Wärmeplanung Investitionsentscheidungen treffen.

Die konkrete technische und wirtschaftliche Ausgestaltung eines Wärmenetzes erfolgt allerdings nicht bereits im Wärmeplan. Bevor ein Netz umgesetzt wird, werden mögliche Wärmequellen und Versorgungskonzepte in der weiteren Planung vertieft untersucht, beispielsweise im Rahmen BEW-geförderter Machbarkeitsstudien.

Wärmequellen für Wärmenetze frühzeitig definieren

Trotzdem ist es sinnvoll, mögliche Wärmequellen bereits im kommunalen Wärmeplan zu benennen. Eine solche erste Einordnung schafft Orientierung darüber, in welche Richtung sich ein potenzielles Wärmenetz entwickeln könnte, und ermöglicht zugleich einen frühzeitigen Abgleich mit den vor Ort verfügbaren Potenzialen.

Gerade beim Einsatz von Biomasse zeigt die Auswertung, warum dieser Abgleich wichtig ist. Teilweise übersteigen die in den Wärmeplänen vorgesehenen Verbräuche die lokal ausgewiesenen Biomassepotenziale. Setzen mehrere Kommunen gleichzeitig auf zusätzliche Biomasse aus anderen Regionen, können Nutzungskonkurrenzen entstehen.

Kommunale Wärmepläne sind damit ein wichtiges Instrument zur Orientierung. Damit sie eine belastbare Grundlage für weitere Planungen und Investitionsentscheidungen bilden können, sollten jedoch nicht nur mögliche Wärmenetzgebiete ausgewiesen, sondern auch realistische Erzeugungsperspektiven und die Verfügbarkeit der dafür benötigten Energieträger frühzeitig mitgedacht werden.

Mit der inzwischen geltenden BEG-Regelung gewinnt dieser Befund zusätzlich an Bedeutung: Dort ist vorgesehen, dass die Förderung von Wärmepumpen ausgeschlossen werden kann, wenn es konkrete Pläne gibt, das betreffende Grundstück an die Fernwärme anzuschließen.
Aber: Wenn vielerorts noch nicht mal geklärt ist, wie die Wärme für das geplante Netz erneuerbar erzeugt werden soll, erscheint es geradezu widersinnig, die staatliche Förderung alternativer Versorgungslösungen vorschnell auszuschließen.

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